Grundsatzvereinbarung Schulverbund Pustertal

(überarbeitete Fassung, einstimmig genehmigt am 17. Dezember 2015)

(Gesetzliche Grundlage: Landesgesetz vom 29. Juni 2000, Nr. 12 - Autonomie der Schulen)


Präambel

Das Pustertal ist ein natürlicher Raum der Zusammenarbeit. Das legt nahe, dass sich Institutionen und Vereine, die im Bildungsbereich tätig sind, vernetzen, ihre Entwicklungsarbeit aufeinander abstimmen und die Qualität der Bildungsarbeit gemeinsam sichern und optimieren.

Systematischer Austausch und gemeinsame Entwicklungsinitiativen beleben die Schulentwicklung im Bezirk. Arbeitsteilung und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und von Ergebnissen entlasten Einzelsprengel, -schulen und -kindergärten. Die gemeinsame Orientierung in der Bildungsplanung sowie der gezielte Einsatz von Ressourcen und Kompetenzen garantieren den Kindern und Jugendlichen ein vielfältiges Bildungsangebot in einer in sich abgestimmten Bildungslandschaft.

 

Zu diesem Zweck wird auf Bezirksebene ein Verbund geschaffen, über den

  • die Bildungsarbeit an gemeinsamen Leitideen ausgerichtet wird,
  • Entwicklungsprozesse einzelner Direktionen, Schulen und Kindergärten im Bezirk zusammengeführt und durch gemeinsame Entwicklungsprogramme und -initiativen gestützt werden;
  • gemeinsame Bedürfnisse erhoben, Schwerpunkte vereinbart und Entwicklungsarbeit stufenübergreifend angegangen wird;
  • schulorganisatorische Rahmen gemeinsam definiert werden;
  • durch neue Formen der Zusammenarbeit, des Erfahrungsaustausches und des miteinander Lernens systematisch die Weiterentwicklung der Bildungsarbeit gefördert wird.

Über den Verbund soll eine neue "Kultur des Dialogs und der Zusammenarbeit" zwischen den Lehrpersonen, den Schulstellen, den Direktionen und den verschiedenen Schulpartnern aufgebaut werden.

Der Verbund soll die Autonomie der Einzelschule bzw. der einzelnen Institution stärken. Schulindividuelle Entwicklungsinteressen und -notwendigkeiten werden respektiert und gesichert.

1) Beteiligte

Am "Schulverbund Pustertal" beteiligen sich folgende Schul- bzw. Kindergartendirektionen mit ihren Schul- bzw. Außenstellen:

  • Stufenübergreifender Schulsprengel Innichen
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Toblach
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Welsberg
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Olang
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Bruneck I
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Bruneck II
  • Grundschulsprengel Bruneck
  • Schulzentrum Sand in Taufers
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Ahrntal
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Vintl
  • Direziun raionala Al Plan / Stufenübergreifender Schulsprengel St. Vigil
  • Direziun raionala Badia / Stufenübergreifender Schulsprengel Abtei
  • Stufenübergreifender Schulsprengel Mühlbach
  • Kindergartendirektion Bruneck
  • Kindergartendirektion Mühlbach
  • Sprachen- und Realgymnasium "Nikolaus Cusanus" Bruneck
  • Wirtschaftsfachoberschule Bruneck / Innichen
  • Fachschule für Landwirtschaft, Hauswirtschaft und Ernährung "Mair am Hof" Dietenheim
  • Berufsbildungszentrum Bruneck
  • Mittelschule der Ursulinen
  • Technologische Fachoberschule Bruneck
  • Istituto pluricomprensivo Val Pusteria
  • Sozialwissenschaftliches Gymnasium Bruneck

2) Laufzeit

Die Mitgliedschaft im Schulverbund beginnt mit der Unterzeichnung dieses Vertrages. Die Direktionen binden sich mit eigenem Beschluss des Schulrates für einen Zeitraum von mindestens 3 Jahren an den Schulverbund. Nach diesen drei Jahren wird die Mitgliedschaft stillschweigend verlängert, wenn sie nicht von der Schule/Institution 2 Monate vor Ende des jeweiligen Schuljahres aufgekündigt wird.

Wenn triftige Gründe vorliegen, kann der Schulverbund durch einen Mehrheitsbeschluss im Direktorengremium jeweils nach Ablauf eines Schuljahres aufgelöst werden.

3) Arbeitsfelder

In den nachfolgend aufgelisteten Arbeitsbereichen wird der Schulverbund tätig:

  • Schaffung von gemeinsamen Orientierungsschienen in der Bildungsarbeit
  • Unterstützung und Abstimmung der Initiativen und Maßnahmen in der Umsetzung von Schulreformen und Innovationen
  • Förderung und Unterstützung von systematischer Arbeit an den Leitbildern, Schulprogrammen und in der Unterrichtsentwicklung
  • Gezielte Implementierung von Evaluationsabläufen in die Schulentwicklungsarbeit
  • Zusammenführung der Lehrerkollegien der Grund- und der Mittelschule
  • Fortbildung auf Bezirksebene
  • Aus- und Aufbau von Beratungsstellen auf Bezirksebene und Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Beratungszentrum Bruneck
  • Schaffung von besonderen übergemeindlichen Bildungsangeboten für Kinder und Jugendliche
  • Schaffung von Unterstützungsangeboten und -strukturen für Eltern, Kindergärtnerinnen, Lehrpersonen und Führungskräften
  • Elternfortbildung und Elterninformation
  • Aufbau von Vernetzung zwischen Kindergärten und Schulen und mit anderen Institutionen
  • Aufbau einer Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
  • Aufbau und Pflege von Kontakten nach außen (außerhalb des Bezirks und des Landes)
  • Definition von organisatorischen Rahmen in direktionsübergreifenden Angelegenheiten
  • Nutzung des Schulverbundes als Lernverbund: Austausch von Erfahrungen, Aufbau eines Expertensystems, Arbeit an verschiedenen Themen, Arbeit in Netzwerken, gemeinsame Reflexion, Arbeit mit kritischen Freunden, Arbeit in Qualitätszirkeln, ... .
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Überprüfung der Wirksamkeit der Arbeit im Schulverbund

Weitere Arbeitsfelder werden je nach Bedarf vereinbart.

 

Der Schulverbund arbeitet mit den bestehenden Diensten zusammen, schafft Vernetzung, sichert über Vereinbarungen Dienstleistungen und sorgt dadurch für eine effiziente Nutzung der vorhandenen Ressourcen.

4) Programmerstellung und Evaluation

Zusammengearbeitet wird in jenen Bereichen, in denen gemeinsam mehr erreicht wird als in Alleingängen. Arbeitsschwerpunkte, Projekte, Initiativen bzw. Tätigkeiten können von Gruppen bzw. von Schulen/Schulsprengeln vorgeschlagen werden. Projektanträge werden schriftlich, mit eigenem Formular, bei den Vorsitzenden bzw. beim Koordinator des Schulverbundes eingereicht.

Im jährlichen Wirksamkeitsdialog, der im Zeitraum Mai-Juni stattfindet, werden die Schulverbundstätigkeiten evaluiert und das Schulverbundskonzept wird in Absprache mit den Schulräten der beteiligten Schulen den veränderten Bedingungen und den festgestellten Bedürfnissen angepasst. Gleichzeitig werden die kurz- und längerfristigen Programme überarbeitet, die Finanzierungspläne (auch jener der Außendienste, Leistungsprämien…) erstellt und genehmigt.

5) Handlungsebenen

Netzwerkarbeit im Schulverbund erfolgt auf der Ebene der Führungskräfte, der Lehrpersonen und Kindergärtnerinnen, des Verwaltungspersonals, der Eltern und Ebenen übergreifend.

6) Organisations- und Verwaltungsstruktur

Die Steuerung und Koordinierung der gesamten Tätigkeiten des Schulverbundes erfolgt durch das Gremium der Direktoren. Zu diesem Zwecke treffen sich die Direktor/innen aller Mitgliedsdirektionen/-institutionen mindestens dreimal im Jahr zu einer gemeinsamen Sitzung. Bei Notwendigkeit arbeiten die verschiedenen Stufen auch parallel an je eigenen Themen, wobei ein sich gegenseitiges Berichten der Arbeitsergebnisse garantiert wird.

In diesem Gremium wird der/die Vorsitzende bzw. ein Team von Vorsitzenden gewählt, der/die für drei Jahre im Amt bleibt/en. Der/die Vorsitzende, die Vorsitzenden vertritt/vertreten den Schulverbund nach außen.

 

Eine Lehrperson übernimmt die Gesamtkoordinierung der in Schulverbund laufenden

Tätigkeiten. Diese Lehrperson wird vom Unterricht freigestellt und übernimmt

folgende Aufgaben:

  • Koordinierungsarbeit auf der Ebene der Lehrpersonen
  • Erstellung der Tätigkeitsprogramme und Organisation der geplanten Tätigkeiten
  • Begleitung der Schulentwicklungsarbeit an den Schulverbundsdirektionen
  • Koordinierung der im Schulverbund geplanten Fortbildung
  • Leitung, Moderation und Begleitung von Arbeitsgruppen
  • Informationsaufbereitung und Organisation der Informationsweitergabe im Schulverbund
  • Dokumentation von Ergebnissen, Mitarbeit an Publikationen
  • Erhebung von Interessen, Wünschen, Bedürfnissen
  • Koordinierung der Evaluation der Arbeit im Schulverbund

Dem Gremium der Direktoren steht der Pädagogische Beirat mit beratender Funktion zur Seite. Jeder Sprengel/jede Bildungsinstitution ist im Beirat durch eine von der jeweiligen Schule/Institution ernannte Person (in der Regel Lehrperson/Kindergärtnerin/…) vertreten. Bei Projekten, die Schüler, Eltern, Verwaltungspersonal betreffen, werden die entsprechenden Vertretungen kooptiert.

 

Der Beirat sichtet und bewertet Projektanträge und gibt Empfehlungen in Bezug auf die Umsetzung, erstellt Gutachten und liefert Anregungen und Impulse. Für alle Projekte und Initiativen, die die Unterrichts- und Schulentwicklung betreffen, ist ein Gutachten des Pädagogischen Beirates verpflichtend einzuholen. Der Beirat wird vom Vorsitzenden/von den Vorsitzenden bzw. vom Koordinator des Schulverbundes einberufen, wenn Bedarf besteht. Die zu begutachtenden Anträge

werden den Mitgliedern des Beirates rechtzeitig zugestellt, damit Absprachen mit Mitgliedern der eigenen Schule/Institution möglich sind. Die Sitzungen des Beirates werden vom Schulverbundskoordinator geleitet. Die Ergebnisse werden protokollarisch festgehalten und allen Mitgliedern des Schulverbundes zugänglich gemacht.

Das Gremium der Direktoren plant in Berücksichtigung der Empfehlungen des Beirates die Schulverbundstätigkeiten und veranlasst die entsprechenden Maßnahmen. Es ernennt Projektverantwortliche, welche die Tätigkeiten koordinieren und leiten und Verantwortung für das Erreichen der Ziele übernehmen. Die Projektverantwortlichen arbeiten eng mit dem Direktorengremium zusammen und informieren regelmäßig über den Verlauf und den Stand der Projektarbeiten.

 

Die anfallenden Verwaltungsarbeiten (Verwaltung der finanziellen und personellen Ressourcen) werden laut Vereinbarung im Direktorengremium von einzelnen Direktionen übernommen.

7) Finanzierung

Die Tätigkeiten des Schulverbundes werden wie folgt finanziert:

  • Eigenmittel der einzelnen Direktionen
  • Sonderzuweisungen
  • Sponsorengelder
  • erwirtschaftete Gelder

8) Verbindlichkeiten

Mit einer eigenen Ressourcenvereinbarung gewährleisten die Partner das Erreichen der gemeinsam

festgelegten Programme.

 

Die Finanzierung der Initiativen im Schulverbund übernehmen die Partner zu gleichen Teilen. Eine

Direktion übernimmt die Verwaltung der Geldmittel. Die Mitgliedsdirektionen überweisen den jährlich vereinbarten Pauschalbetrag an die verwaltende Direktion. Die Höhe der jährlichen Beiträge ergibt sich aus der Hochrechnung der für die geplanten Aktivitäten notwendigen Geldmittel und einer Pauschale für nicht berechenbare Spesen, die sich im Laufe eines Jahres ergeben können. Der Direktor der verwaltenden Direktion berichtet regelmäßig im Gremium der Direktoren über die getätigten Ausgaben und legt am Ende des Schuljahres eine Jahresabschlussrechnung mit Kurzbericht vor.

Die personellen Ressourcen, die über den Schulverbund zum Einsatz kommen, werden ebenfalls von allen Partnern über das funktionale Plansoll zu gleichen bzw. angemessenen Teilen gestellt. Eventuelle Freistellungen von Lehrpersonen werden bereits bei der Erstellung des Plansolls berücksichtigt.

Für die Bezahlung von internen Überstunden (Verwaltung, Unterricht, Fortbildungstätigkeit) wird auf Grund einer Hochrechnung ein Bezirkskontingent eingerichtet, das zu gleichen bzw. angemessenen Teilen von den Kontingenten der einzelnen Direktionen gespeist wird.

 

Zusätzliche Verbindlichkeiten ergeben sich durch Vereinbarungen, die im Laufe des Schuljahres im Gremium der Direktoren getroffen werden. Diese Vereinbarungen werden in Form von Beschlüssen gefasst, müssen einstimmig genehmigt sein und werden in schriftlicher Form an alle Partner weitergegeben.

9) Kommunikation, Information und Transparenz

Der Schulverbund präsentiert sich mit einer eigenen Homepage. Auf dieser werden die gemeinsamen

Arbeitsergebnisse allen zur Verfügung gestellt.

Aktuelle Informationen werden ebenfalls regelmäßig auf der Homepage veröffentlicht.

Die über den Schulverbund angebotenen Fortbildungsveranstaltungen werden über die Homepage bekannt gegeben.

10) Externe Beratung

Der Schulverbund wird von externen Fachleuten wissenschaftlich beraten und begleitet. Zu diesem Zwecke werden Experten mit klaren Aufträgen auf begrenzte Zeit vertraglich verpflichtet. Die dadurch anfallenden Kosten werden der Schulverbundskasse angelastet. An das Pädagogische Institut wird jährlich ein Ansuchen um Mitfinanzierung der wissenschaftlichen Begleitung bzw. für die Unterstützung von Projekten gestellt.

11) Autonomie der einzelnen Schuldirektionen

Die am Schulverbund beteiligten Direktionen sind eigenständige Institutionen, die einen Teil ihrer Ressourcen in ein Netzwerk einbringen, um auch daraus schöpfen zu können. Die Entscheidungen, die die einzelnen Partner treffen, können nicht durch den Schulverbund beanstandet werden, sofern sie nicht ausdrücklich in einer gemeinsamen Vereinbarung enthalten sind.