Beispiele aus der exemplarischen Beratung


Exemplarische Beratung Projekt PLUS

 

Markus Plankensteiner

 

Neben der Verlaufsbeschreibungen der individuellen Beratung an den Schulen, sollen in diesem Dokument verschiedene Reflektionen, Bilder und Querverweise auf das Konzept von Projekt PLUS Platz finden.

Die gesamte Dokumentation ist in anonymer Form erstellt. Entsprechende Daten (Klasse, Alter, Gender,...) sind bewusst verzerrt, sodass keine Rückschlüsse auf die entsprechenden Schüler/innen gemacht werden können. Die Statements der Schulführungskräfte sind ebenso anonym angeführt. Ziel ist es, das theoretische Konzept, die Beratungspraxis und den konzipierten Leitfaden als Ganzes zu sehen und neue Aspekte für die Beratung an den Schulen zu entdecken.



Beispiel 1

Zunehmende Verweigerung der Mitarbeit und opponierendes Verhalten

 

Ausgangslage: Schüler/in M., 14 Jahre, Repetent.

M. weist beträchtliche Wissenslücken auf, wobei Grundlagenwissen fehlt, auf welchem aufgebaut werden könnte. Die Hausaufgaben werden nur teilweise erledigt, Lernstoff wird in unzureichendem Maße zuhause erledigt. Die Eltern stehen der Schule teilweise ambivalent gegenüber und es besteht der Verdacht, dass die Schule im Besonderen seitens des Vaters nicht den notwendigen Stellenwert besitzt.
M. arbeitet in der Klasse mit unterschiedlichem Interesse mit, verweigert aber in manchen Situationen und Fächern häufig die Mitarbeit. Sollte sich die Situation zunehmend negativ entwickeln, besteht die Gefahr, dass das Klassenziel nicht erreicht wird. Das Verhalten in der Klasse wird von den Lehrpersonen teilweise als problematisch eingestuft.

Beratung:

Als erster Schritt wurde der Kontakt mit den Eltern hergestellt, um ihr Einverständnis für eine entsprechende Begleitung einzuholen. Es wurde ein erster Termin mit M. vereinbart,  um sich kennenzulernen. Dort konnte M. entscheiden, ob er für eine  gemeinsame Arbeit bereit ist. Für mich war die erste Herausforderung, zu erkennen was M. bewegte, was ihn interessierte und wozu er fähig ist Energie einzusetzen. Die Beratung gliedert sich in Abschnitte mit kreativen-analogen Methoden und Bereichen, in welchen Ziele konkret erarbeitet werden. Diese Kombination machte es für M. leichter aktiv in den Prozess einzusteigen und auch herausfordernde Themen anzugehen. Zentrale Prozesse waren Orientierungsfindung und Zielarbeit.

Unterstützt wurde der Prozess von einem Verstärkerplan, welcher von den Lehrpersonen verwaltet wurde. Der Austausch zwischen mir und einer Lehrperson war eng und sehr konstruktiv. Zuletzt gelang es, auch die Eltern in den Prozess mit einzubeziehen und für die gemeinsame Weiterarbeit im kommenden Schuljahr zu gewinnen. Veränderungen sind gelungen, da sich insbesondere M. bewusst auf einen Veränderungsprozess im freiwilligen Kontext eingelassen hat und Bezugspunkte zu seiner Zukunft herstellen konnte. Effektive Nachhaltigkeit kann erst durch die Unterstützung der Eltern erfolgen.

Reflektion: Um Veränderungen gemeinsam zu erreichen, bedarf es im Vorfeld die Bereitschaft in die „Welt“ meines Gegenüber einzutauchen, Dinge zu verstehen, Momente zu erfahren und langsam ein Gefühl dafür zu entwickeln, was für diesen jungen Menschen wichtig sein kann. Es ist ein vorsichtiges Suchen – ein  nicht wissen - dafür vielleicht ein langsamen Erahnen, was Sinn macht. Für mich kann Orientierung für den Alltag und meine Zukunft vorhanden sein, aber was ist bei meinem Gegenüber? Kann ich meine Überzeugungen und Annahmen einfach so überstülpen? Mit der Haltung eines Entdeckers und der Wertschätzung eines Freundes kann ich mit Strategie und Verstand im Sinne meines Klienten Neues wagen!

Statement der Schulführungskraft:

Im Rahmen des Projektes PLUS begleitete Herr Plankensteiner zwei herausfordernde Situationen an unserer Schule. Es gelang ihm schnell, sich einen Überblick zu verschaffen, in einen konstruktiven Austausch mit dem Lehrerteam und den Eltern zu treten und zu den betroffenen Schülern einen positiven pädagogischen Bezug herzustellen. Dank seiner Intervention verbesserten sich beide Situationen merklich. Herr Plankensteiner stellte das Projekt PLUS auch der AG care - Team und der AG Gesundheitsfördernde Schule vor.


Beispiel 2

Grenzüberschreitendes Verhalten den Mitschülern und Lehrpersonen gegenüber, Verweigerung zur Mitarbeit

 

Ausgangslage  

Schüler/in  G., 15 Jahre, Migrationshintergrund.

G. ist in der Klasse auffällig, beteiligt sich nicht immer am Unterricht, weist viele Absenzen auf und die Mutter ist für die Schule kaum erreichbar. Es gab einen Austausch zwischen der Mutter und dem Klassenrat und dem Sozialdienst, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu beratschlagen. Der Austausch gestaltete sich schwierig und ein Commitment der Mutter war schwer zu erreichen. Hintergrund ist eine komplexe und problematische Familiensituation, wobei die Vermutung nahe liegt, dass G. in seiner Kindheit Traumatisierungen erfahren hat. Ziel ist es, dass G. soweit als möglich die Schule besucht, die Mindestanforderungen erfüllt und eine Bezugsperson zur Orientierung erhält.

Beratung

Angesichts der Ausgangslage wird deutlich, dass die Arbeit den Kompetenzrahmen der Schule sprengt und weiterte Dienste hinzugezogen werden müssen. Der Sozialdienst ist bereits involviert und hat auch Kontakt mit der Mutter aufgenommen. Zusätzlich wäre eine psychotherapeutische Begleitung von G. notwendig, was aber aus diversen Gründen bis dato nicht realisierbar war. Zudem muss angemerkt werden, dass die Begleitung über das Projekt PLUS einmal pro Woche hätte stattfinden müssen, um eine Kontinuität zu gewährleisten. Aus zeitlichen Gründen waren die Treffen aber weiter auseinander angesetzt.
In der ersten Phase des Kennenlernens ging es darum, das Vertrauen, sowie die Bereitschaft zur Mitarbeit von G. zu gewinnen. G. ließ sich auf viele Inhalte ein, insbesondere auf der kreativ- spielerischen Ebene. Themen, welche schulische Leistungen und -Inhalte betrafen, versuchte er auszuweichen. Es wurde klar, dass G. sich nur auf Veränderungsprozesse einlässt, wenn die Beziehungsebene für ihn/ sie in Ordnung ist. Aus diesem Grund wurden vor allem Themen behandelt, in denen es um gestaltbare Zukunft geht, die im Kompetenzbereich von G. liegen. Nach meiner Einschätzung ist durch die erfolgte Arbeit eine Vorstufe für einen längerfristigen Begleitungsprozess erreicht worden, der für G. notwendig wäre.

Reflektion

Erfahren Kinder einschneidende Lebensereignisse, besteht kulturelle Unterschiedlichkeit und werden für uns fremde Lebensperspektiven angepeilt, so sind wir oft dazu verführt „unser klares Konzept“ von Leben vorzustellen. Doch hört uns unser Gegenüber überhaupt zu, erreichen ihn unsere Botschaften? Bevor ich Botschaften sende, tue ich gut daran, mich im Zuhören zu üben, für mich Unstimmiges vorerst auf mich wirken zu lassen. Irgendwann kommt dann vielleicht der Punkt, wo mich jemand etwas fragt- und zwar aus authentischem Interesse. Dieser Moment ist der Türöffner für einen Veränderungsprozess.

Statement der Schulführungskraft:

Das "Projekt Plus" war für unsere Arbeit an der Mittelschule im Schuljahr 2015/16 eine wichtige Unterstützung. Herr Plankensteiner war umgehend verfügbar und hat bei ersten Treffen als neutraler Mediator bereits positiv auf die Konfliktsituation gewirkt. Es ist ihm sodann gelungen, mit dem betreffenden Schüler eine Vertrauensbasis aufzubauen, sodass der Schüler die regelmäßigen Gesprächstermine gerne wahrgenommen hat.  Diese Treffen haben zu einer spürbaren Verbesserung des Lehrer/innen - Schülerverhältnisses und schließlich zu einem positiven Abschluss des Schuljahres geführt.


Beispiel 3

Leitbilderneuerung mit anschließenden Workshops

 

Ausgangslage

 

An der betreffenden Schule besteht seit 10 Jahren ein Leitbild. Nach einem gemeinsamen Gespräch mit der Schulführungskraft entstand die Idee, das Leitbild zu erneuern und direkt daraus neue Impulse für die Arbeit gewinnen zu können. Ziel ist es, ein Leitbild zu generieren, mit welchen sich die Fachkräfte der Schule identifizieren und neue Schwerpunkte in der Arbeit gesetzt werden können

 

Begleitungsprozess

 

Es wurde mit der Begriffsklärung von Mission, Werte und Vision begonnen. Dieses Dreigespann gibt den Orientierungsrahmen für jede Art von Organisationen und Unternehmungen. Die Mitarbeiter müssen über diese Grundorientierung im Bilde sein, um im Sinne des Unternehmens effizient arbeiten zu können und den Geist des Unternehmens mittragen zu können. Unterstützt wird dies dann mit Indikatoren, welche den Zielerfüllungsgrad angeben, der zuvor von den Führungskräften definiert wurde.

 

Nach einer Grundorientierung fanden zwei Workshops statt, in welchen u.a. folgende Fragestellungen behandelt wurden:

 

Wo stehen wir? Wo möchten wir hin? Was sind unsere Stärken? Was erwartet unsere Zielgruppe von uns? Mit welchen Herausforderungen werden wir in Zukunft konfrontiert sein?

 

Das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit war ein aktualisiertes Leitbild, die  Reflektion der aktuellen Situation und der Wunsch aus dem Lehrerkollegium für das kommende Schuljahr ein Projekt zu starten, welches im Sinne der zentralen Mission der Schule steht.

Statement der Schulführungskraft:

Herr Plankensteiner hat sich ernsthaft und gründlich mit unserer Fragestellung auseinandergesetzt. Er hat die Termine verlässlich wahrgenommen und ist durch seine wertschätzende Offenheit allen Beteiligten gegenüber sehr gut angekommen. Wir sind mit Plankensteiner Markus  in unserer Problemstellung einen ordentlichen Schritt weitergekommen und können gut auf dem aufbauen, was wir mit ihm erarbeitet haben.


Beispiel 4

 

Schulabsentismus kombiniert mit antisozialem Verhalten

Ausgangslage

Es handelt sich um zwei SchülerInnen, welche 12 und 13 Jahre alt sind. Beide zeigen an der Schule opponierendes, sowie grenzüberschreitendes Verhalten. Zudem fehlen sie häufig-auch zusammen nach gemeinsamer Absprache. Die Lerninhalte sind von wenig Relevanz und die Zusammenarbeit mit den Eltern gestaltet sich schwierig. Die familiäre Situation beider SchülerInnen ist problematisch und wenig unterstützend für den schulischen Verlauf.

Begleitungsprozess

Vor Beginn der Begleitung der Schüler hatte die zuständige Schulführungskraft bereits Kontakt mit verschiedenen zuständigen Institutionen aufgenommen. Es  wurde deutlich, dass die Problematik die Interventionsmöglichkeit interner und externer Schulberater sprengt und die Kompetenzgrenzen der Schule erreicht waren. Dank der raschen Reaktionsfähigkeit der Schulführungskraft konnten weitere Eskalationen vermieden werden. Es galt nun, parallel zu den externen Interventionen, welche auch die Familien selbst betrafen, mit den Schülern weiter zu arbeiten. Zu einem Schüler hatte die zuständige Sozialpädagogin eine sehr gute Beziehung und es wurde demzufolge entschieden, dass ich mich persönlich auf wenige Kontakte mit dem/der Schüler/in beschränke. Der andere Schüler wurde sehr eng von der Integrationslehrerin begleitet. Dieser war auch gerne bereit einen gemeinsamen Begleitungsprozess zu starten.

Es erfolgte ein regelmäßiger Austausch mit den beiden Fachkräften, was von uns allen gemeinsam als unterstützend empfunden wurde. Es bestand der Druck, dass möglichst rasch eine Verhaltensänderung von beiden Schülern erreicht würde, da sich die Situation für die Lehrpersonen ihrer Klasse zunehmend untragbar und unkontrollierbar entwickelte. Es wurde meinerseits versucht, in die „Welt“ des Schülers einzusteigen und von dort aus gemeinsam Stärken zu entdecken, deren Aktivierung den destruktiven Prozess unterbrechen. Interessanterweise arbeitete der Schüler immer aktiv mit, war fähig zu reflektieren und sich mit Zielarbeit zu beschäftigen. Die Umsetzung in der Klasse war aber selten möglich, denn dort entpuppte sich im Gegensatz zur Einzelarbeit unmittelbar das gängige problematische Muster.

Diesen Effekt bestätigte auch die Integrationslehrerin. Ein Praktikum, welches von der Schulführungskraft organisiert wurde, verlief sehr positiv, wenn es auch wegen gewisser Umstände früher als geplant beendet wurde. In der Arbeit mit dem Schüler wurden viele darstellende und kreative Verfahren angewandt, auf welche er gut ansprach. Die Begleitung wurde in zwei- bis dreiwöchigen Abständen durchgeführt. Es wäre allerdings notwendig gewesen, mindestens wöchentliche Termine anzubieten, um eine entsprechende Kontinuität zu gewährleisten und somit mehr in die Tiefe arbeiten zu können.

Reflektion

Trotz dem Bemühen aller Beteiligten, war es nur begrenzt möglich, eine nachhaltige Verhaltensänderung, sei es bei dem einen, als auch bei der  anderen Schülerin zu erreichen. Die Hypothese steht im Hintergrund, dass womöglich bereits längerfristig destruktiv und deprivierend wirkende familiäre Faktoren Defizite im sozialen Lernen, im Bereich des Selbstbildes und der Selbstregulation hervorgerufen haben. Veränderungen bei bereits eingespielten Mustern hervorzurufen ist eine große Herausforderungen für alle Begleiter und Berater und am größten für die Jugendlichen selbst. In diesen Fällen wünscht man sich, dass die Betroffenen möglichst rasch in konstruktives Tun kommen, was letztendlich aber nur sehr langsam wieder entstehen kann.


Beispiel 5

Narzistische Tendenzen, grobes Verhalten Mitschülern gegenüber

Ausgangslage

Schüler/in, 12 Jahre,  hat große Schwierigkeiten, sich an die Abläufe des Unterrichts zu halten. Sie legt Regeln für sich selbst zurecht und möchte stets im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Mit ihrer bestimmenden Art konditioniert sie zum Teil andere SchülerInnen und wird in entsprechenden Situationen, in denen ihre Frustrationstoleranz überstiegen wird auch handgreiflich und verbal verletzend. Die Vermutung liegt nahe, dass sie auch zuhause Gewalt erfährt. Sie wächst ohne Vater auf.

Begleitung

Der Begleitungsprozess wurde mit Beobachtungen in der Klasse gestartet. Es wurde versucht, eine wahrscheinliche Intervention im Vorfeld  nicht auf die Schülerin zu fokussieren. Es wurden anfangs einige Übungen zur sozialen Kompetenz mit der gesamten Klasse gemacht und darauffolgen abwechselnd in Kleingruppen und mit der Schülerin im Einzelsetting gearbeitet. Im Vorfeld sind bereits einige Netzwerkpartner mit einbezogen worden, welche mit unterschiedlichen Schwerpunkten arbeiten. Der Elternteil der Schülerin wurde über diese Möglichkeiten vorab informiert und um ein entsprechendes Einverständnis gebeten. Im Einzelsetting konnten die Regelverstöße nur vereinzelt beobachtet werden, waren aber von einer gewissen Penetranz und vom Bedürfnis nach Selbstdarstellung gekennzeichnet. Immer wieder waren infantile Reaktionen zu beobachten und es war teilweise sehr herausfordernd, auf die Reflektionsebene zu gelangen und vorgefallene Ereignisse zu besprechen. Generell wurden viele spielerische Verfahren angewandt.  

Ein „Aha“-Erlebnis war einmal die getrennte Arbeit in einer Kleingruppe von Betroffenen und darauf in derselben Kleingruppe zusammen mit der Schülerin. Es war zu beobachten, dass die Gruppe Verantwortung zu übernehmen bereit war und die Schülerin von dieser Haltung mehr beeindruckt war, als von unterschiedlichen Interventionsbemühungen. Man könnte diesen Aspekt mit einem selbstregulatorischen Prozess im Gruppendynamischen Kontext beschreiben. In diesem Fall war die Herbeiführung des entsprechenden Settings der neuralgische Punkt für Veränderungsmöglichkeit. Um nachhaltige Veränderung herbeizuführen, wird empfohlen, die Begleitung im kommenden Schuljahr fortzusetzen.

Reflektion

Ohne zugrundeliegende Strategie, ohne Berücksichtigung des Umfeldes, ohne Ziel und ohne überprüfbare Zielerfolgskontrolle, läuft eine Begleitung, eine Unterstützung bzw. eine Intervention Gefahr, sprunghaft zu sein und nach Gutdünken durchgeführt zu werden. Der Austausch mit den anderen Beteiligten und Involvierten ist essentiell für einen progressiven Verlauf. Entsprechende Dynamiken zu erkennen und vorhandene destruktive Muster zu durchbrechen ist die größte Herausforderung überhaupt.


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